Zum Stück
«Kriegsfibel» von Bertold Brecht
Kriegsfibel ist eine Sammlung von Fotografien mit kommentierenden Versen. Die Fotos sammelte Brecht während der Zeit seines Exils aus Zeitungen. Sie zeigen Geschehnisse des Krieges, Schnappschüsse von Tätern und Opfern, Dokumente der Zerstörung und des Leidens. Die ausdrucksstarke Verbindung von dokumentarischen Fotos mit kruden Vierzeilern ist kompromisslose Antikriegspropaganda. Lange Zeit findet dieses Werk wenig Anklang. Die Auseinandersetzung mit dem Krieg wird verdrängt. Als Brecht nach dem zweiten Weltkrieg erleben musste, dass in beiden Teilen Deutschlands die Wehrpflicht wieder eingeführt wurde, schrieb er einen offenen Brief an den Deutschen Bundestag: «Wollt ihr wirklich den ersten Schritt tun, den ersten Schritt in den Krieg? Den letzten Schritt, den in das Nichts, werden wir dann alle tun . . . Da ich gegen den Krieg bin, bin ich gegen die Einführung der Wehrpflicht in beiden Teilen Deutschlands und da es eine Frage auf Leben und Tod sein mag, schlage ich eine Volksbefragung darüber in beiden Teilen Deutschlands vor.»
Erst im Jahre 1955 kann die Kriegsfibel veröffentlicht werden. 1957 komponiert Hans Eisler die Musik. Er vertonte vierzehn Texte für kleines Ensemble, Sänger und Chor.
Ein halbes Jahrhundert später haben die Texte nichts an Brisanz verloren. Die Schauplätze wechseln – das Elend ist immer dasselbe. Und stets erschreckt die unerklärliche Geduld, mit der Völker ertragen, zusehen und wegsehen. Anders denkende und anders handelnde Menschen zu belächeln, zu diffamieren und zu bekriegen ist mittlerweile Realität und ein rassistischer Gedanke, harmlos am Mittagstisch ausgesprochen, zur Gewohnheit geworden.
Im Einakter «Er treibt einen Teufel aus» führt uns Brecht auf noch amüsante Weise eine Familie und Dorfgemeinschaft vor, die sich in diesem Netz der Unaufmerksamkeiten und Intoleranz verfängt. Der Krieg beginnt schon zu Hause. « . . . denn diese tolle Verdrängung aller Fakten, Wahrheiten und des Krieges muss bei uns aufhören.» Bertolt Brecht 1956
Quellennachweis:
– Brecht & Co. von John Fuegi
– Kriegsfibel für 14 Songs von Bertolt Brecht, gesungen von Kathrin Angerer