Väter und Söhne Brian Friel nach Iwan Turgenjew

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Peer Gynt eine theatrale Reise Henrik Ibsen

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Einer für Alles Alan Ayckbourn

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Bluthochzeit Federico Garcia Lorca

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Shakespeare à la carte Sonette

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King Lear Shakespeare

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Bühne Mörel trauert um Peter Bissegger

Unser langjähriger und prägender Bühnenbildner Peter Bissegger ist in der Nacht vom 15. auf den 16. Januar in seinem neunundachtzigsten Lebensjahr in seinem Zuhause in Intragna verstorben.

Peter Bissegger hat für die Bühne Mörel unvergessliche Bühnenbilder gestaltet. Gleich in seiner ersten Arbeit «Ein Freudenfeuer für den Bischof» hat er die begrenzten räumlichen Möglichkeiten unseres Theatersaales geradezu vergessen gemacht. «Worte Gottes» vor der Pfarrkirche in Mörel mit der imposanten Tribüne über dem Mörjerbach und der genialen Einbeziehung des Platzes war ein Höhepunkt in der Aufführungsgeschichte der Bühne Mörel. «Hase, Hase», «Dr Franzos am Rottu» und «Der Kirschgarten» waren die nächsten Bühnenbilder, mit denen er den Theatersaal immer wieder neu verzauberte.  Für «Geschichten aus dem Wienerwald» im Crazy Palace in Gamsen nutzte Peter Bissegger gekonnt den grossen Tanzpalast, um die anspruchsvolle Szenerie des Stückes optimal fürs Spiel zu gestalten. Für Elias Canetti’s «Hochzeit» verwandelt er den Theatersaal zu einer Raumbühne. Die ZuschauerInnen sitzen links und rechts einer langen Mittelbühne und können so sowohl das Geschehen auf der Bühne wie auch die Reaktionen der gegenüber sitzenden ZuschauerInnen verfolgen. Ein Erdbeben bringt den Bühnenboden und den Hochzeitstisch samt geladenen Gästen ins Schwanken und zum Einsturz. Für diesen Effekt konnte Peter Bissegger auf seinen riesigen Erfahrungsschatz, den er über Jahre an grossen Bühnen erworben hatte, zurückgreifen. Ein Effekt, der bei den Zuschauenden ein Schaudern und Erschrecken auslöste, über das man noch heute redet.

Sein Bühnenbild für «King Lear» im Stockalperschloss war sicher der Höhepunkt seiner Arbeiten für die Bühne Mörel. Wie sich die «Shakespeare’sche Bühne» in die Architektur des Innenhofes des Stockalperpalastes einfügte, zeigte sehr eindrücklich seine Gabe, unterschiedlichste Räume fürs Theater zu nutzen.  Spielerinnen und Spieler wurden so aufs Grossartigste unterstützt. Sie wuchsen förmlich über sich hinaus.

Seine letzte Arbeit für die Bühne Mörel war das Bild für «Bluthochzeit» von Federico Garcia Lorca. Ein «Buch», das sich analog der Geschichte aufblättert, ein Wald, der sekundenschnell in sich zusammenfällt und einen grossen leeren Raum fürs Finale freilegt, demonstrierten nochmals was ein professioneller Bühnenbildner trotz begrenzter räumlicher und finanzieller Möglichkeiten der Bühne Mörel bieten kann.  Mit den Räumen, die er geschaffen hat, stellte er sich stets in den Dienst des Stück und der DarstellerInnen. Seine Kreativität, sein Wissen, seine langjährigen Erfahrungen an unterschiedlichsten Bühnen und sein Humor werden uns für immer begleiten.

Die Reisen von Intragna nach Mörel und das Mitwirken bei der Herstellung der Bühnenbilder wurden für Peter Bissegger mit zunehmendem Alter immer beschwerlicher und er musste auch aus gesundheitlichen Gründen kürzertreten. 

Es ist kaum möglich, die Vielschichtigkeit dieses besonderen, talentierten Mannes, Künstlers, Musikers, Winzers, zu vermitteln. Der Versuch einer Chronik. 

Peter Bissegger, wurde 1932 in Zürich geboren. Sein Traum, Konzertpianist zu werden, musste er früh aufgeben. Seine Eltern bestanden darauf, dass er einen richtigen Beruf erlernt. Zahnarzt zum Beispiel. Sie erlaubten ihm aber, die Kunstgewerbeschule in Zürich zu besuchen. Mit 25 Jahren engagierte ihn Teo Otto, damals der «Star» Bühnenbildner am Schauspielhaus Zürich. Bis 1961 entstanden 17 Bühnenbilder am Schauspielhaus. Von 1961 bis 1966 arbeitete er am Stadttheater Basel. 1966 zog er nach Intragna im Tessin. Von da an arbeitete er als selbständiger Bühnenbildner und Modellbauer. Er baute Bühnenbilder in Zürich, St. Gallen und an grossen Häusern in Europa wie an der Scala di Milano, der Oper von Rom, am Teatro San Carlo di Napoli, Teatro la Fenice in Venedig, in Florenz und Lissabon, auch am Schillertheater Berlin, an den Theatern von Düsseldorf, Dortmund, Essen, Freiburg i. Br., Tübingen, an der Oper von Krakau, und die Königlichen Oper von Kopenhagen. Für die Schauspiel-Akademie in Zürich baute er im legendären Tramdepot Tiefenbrunnen und im Schöllerareal szenische Räume für die Abschlussinszenierungen der Schauspielstudierenden. 

Für den berühmten Ausstellungsmacher Harald Szeemann baute er zahlreiche Modelle, wie z. B. für die Ausstellung «Monte Verita – Berg der Wahrheit» die auch im Kunsthaus Zürich gezeigt wurde. Die herausragende 1:1 Rekonstruktion des MERZbau von Kurt Schwitters wurde über dreissigmal in Museen auf der ganzen Welt gezeigt.

Mit grossem Engagement widmete sich Peter Bissegger auch dem Volkstheater. Seit den 90er Jahren war er beim Landschaftstheater Ballenberg, bei den Tellspielen Altdorf, fürs Japanesenspiel in Schwyz, in Buochs, Flüeli-Ranft, Meggen, in Kemmental «500 Jahre Schlacht bei Schwaderloh» und last but not least bei der Bühne Mörel tätig. Mit grosser Freude und Enthusiasmus war er immer wieder bereit mit den bescheidenen Mitteln unserer Bühne Grosses zu leisten. Uns fehlen all die bereichernden, arbeitsintensiven und geselligen Stunden mit dir. 

Danke Peter.

Was können wir noch?

Noch vor einem Jahr haben die Spielerinnen und Spieler auf den Brettern der Bühne Mörel  im Stück "Väter und Söhne" umarmt, getanzt, gerungen, geküsst. Und jetzt ist social distancing angesagt. Wie soll das gehen bei einer Kunst, die sich mit den Beziehungen und dem Verhalten der Menschen auseinandersetzt? Das Theater ist im Innersten getroffen. Proben mit Masken und das Einhalten der Distanzregeln sind nicht wirklich inspirierend.

Es gibt keine Gesellschaft ohne Kunst und Kultur!
Wir lassen uns was einfallen. Man darf gespannt sein...

Wie sieht künftiges Theater mit/nach Corona aus? Was ist unverzichtbar fürs Theater? Für uns ist der Austausch mit dem Publikum ein unverzichtbares Element. Ein Austausch, der aufrütteln aber auch verzaubern kann. Ein Austausch, der die Alltäglichkeit vergessen lässt. Vielleicht lässt die lange Abwesenheit von Publikum den Live-Moment vor Publikum wieder als etwas Besonderes erscheinen. Können wir diese Kraft, die in dem Live-Moment enthalten ist, wieder neu entdecken und lustvoll und mit aller Leichtigkeit damit umgehen. Was für Publikums-Arrangements sind denkbar? 

Man muss das Theater sicher nicht radikal neu erfinden. In seiner Funktion, die Welt zu spiegeln, den Zuschauer vielleicht auch in neue Welten zu entführen, wird das Theater sich seine geeigneten Plattformen neu kreieren. Je nach Themen, die wir für die nächste Produktion wählen, werden wir entsprechende Umsetzungen finden. Wir erachten es als grosse Herausforderung, neue Formen zu entwickeln und auszuprobieren. Es ist eine grosse Chance, mit diesen Krisenerfahrungen neue Lebenswelten auszuloten und zu präsentieren, Utopien zu träumen, Gesellschaft neu zu denken. Dabei dürfen die Lust am Spielen, die Fantasie und der Humor nie verloren gehen.

Welche Geschichten finden unser Interesse? Sind es eher Geschichten einzelner Menschen, wie sie sich aufmachen, neue Lebensinhalte zu finden, oder sind es Geschichten von Familien, von Dörfern, ganzen Landstrichen, deren Lebenswelten sich gravierend verändern. Sind es Mythen, Sagen, Klassiker, die uns Perspektiven eröffnen? Und uns animieren, uns verzaubern?

Liebes Publikum wir freuen uns auf Euch. Irgendwie, irgendwann, irgendwo...
Wir lassen uns was einfallen. Man darf gespannt sein...